Wenn die Temperaturen steigen, und erst recht während einer Hitzewelle, macht die Wahl des Stoffes einen entscheidenden Unterschied!
Man kann das perfekte Schnittmuster gefunden haben, aber wenn das Material nicht atmungsaktiv ist oder an der Haut klebt, landet das Kleidungsstück womöglich ganz hinten im Schrank … und das wäre nach all den Stunden, die man mit Nähen verbracht hat, wirklich schade!
In der Boutique und im Atelier ist es uns wirklich wichtig, Ihnen schöne Materialien anzubieten, wobei wir Naturfasern wie Baumwolle und Leinen bevorzugen.
Ich mag auch einige hochwertige synthetische Materialien wie Viskose, Lyocell oder Tencel, mit denen sich sehr schöne, fließende Fälle erzielen lassen.
In diesem Artikel stelle ich Ihnen die Stoffe vor, die ich den ganzen Sommer über trage und die ich in der Boutique am häufigsten empfehle. Heute gibt es keinen großen theoretischen Kurse: Es geht vor allem darum, Ihnen bei der Auswahl des richtigen Materials für Ihre nächste sommerliche Bluse, Ihr Kleid, Ihren Rock oder Ihren Jumpsuit zu helfen. Los geht’s!
Baumwolle in all ihren Formen
Wir beginnen mit Baumwolle, aber aufgepasst: Wenn man sagt, dass ein Stoff „aus Baumwolle“ ist, weiß man noch nicht genau, wie er beschaffen ist. Ein und dieselbe Faser kann auf viele verschiedene Arten gewebt werden und ganz unterschiedliche Stoffe ergeben. Popeline, Voile, Baumwollsatin, Cotton Lawn, Musselin oder Seersucker haben jeweils eine eigene Haptik, einen eigenen Fall und unterschiedliche Einsatzmöglichkeiten.
Eine sichere Wahl! Baumwollpopeline ist wirklich ein Stoff, den ich im Sommer sehr häufig trage. Sie ist leicht, atmungsaktiv, angenehm auf der Haut und ausreichend formstabil, sodass sie sich leicht zuschneiden und nähen lässt. Sie ist einer der Stoffe, die ich Nähanfängerinnen und Nähanfängern am häufigsten empfehle.
Sie eignet sich perfekt für Tops, Hemden, Blusen, Kleider oder Röcke.
Und was die Muster betrifft, kann man sich wirklich austoben: Uni, Mini-Vichy, Streifen, Blumen, abstrakte, tropische oder kindliche Motive … für jeden Geschmack ist etwas dabei.
Sie kennen meine Liebe zu japanischen Stoffen: Ein großer Teil unseres Sortiments besteht nämlich aus Baumwollpopeline. Wenn Ihr Schnittmuster Popeline empfiehlt, können Sie sich also ganz einfach für eine hübsche japanische Baumwolle entscheiden.
Ein kleines, zartes Muster, eine goldene Paspel oder eine große romantische Blüte, und ein ganz schlichter Schnitt wird sofort zu etwas ganz Besonderem.
Die eher feine Popeline hebe ich jedoch für Kleidungsstücke wie Tops, Blusen, Hemdblusen, Kleider oder Röcke auf.
Für eine Hose oder Shorts, die häufig getragen werden sollen, würde ich eher eine robustere Baumwolle, einen Köper oder Gabardine wählen.
Der Baumwollvoile
Für ein Höchstmaß an Leichtigkeit ist der Baumwollvoile feiner und leichter als Popeline. Wenn es sehr heiß ist, trägt er sich wunderbar: Man hat wirklich das Gefühl, einen Schleier auf der Haut zu tragen.
Der entscheidende Punkt ist natürlich seine Transparenz! Wenn Sie das beunruhigt, wählen Sie lieber eine Popeline oder planen Sie ein sehr leichtes Futter ein. Bei einem Top bleibt die Transparenz oft dezent: Die passende Unterwäsche für Ihren Hautton kann bereits einen großen Unterschied machen.

Salvage von Mimoï

Frisure von Damned Good Caramel
Elegant, aber einfach zu nähen Ich werde im Geschäft oft gefragt: „Eugénie, hast du Satin?“ Dabei denkt man meist an sehr glänzenden, sehr rutschigen Polyestersatin, der in alle Richtungen ausfranst. Ganz ehrlich: Beim Nähen kann das schnell etwas sportlich werden!
Baumwollsatin gefällt mir mit Abstand am besten. Er besitzt diesen schönen seidigen Glanz, der sofort elegant wirkt, behält aber die Stabilität und den Komfort von Baumwolle. Er verwandelt Sie nicht in eine Discokugel: Der Glanz ist dezent, stilvoll und wirklich sehr schön. Daraus kann man ein Kleid, eine schöne Bluse, einen Rock oder sogar ein festliches Outfit nähen.
Zwei Schülerinnen haben übrigens bereits ihr Brautkleid in der Werkstatt aus Baumwollsatin genäht. Mit einigen gut platzierten Stickereien kann das Ergebnis absolut unglaublich sein, ohne in sehr teure Seide investieren zu müssen. Wenn Sie dieser Stoff neugierig macht, können Sie auch meinen Artikel über Baumwollsatin und seine Verarbeitung lesen.

Noémie und ihre wunderschönen Blusen!

Mica von Caledonia Dreamin
Zwischen Popeline und Satin ist Cotton Lawn eine kleine Kostbarkeit, die manchmal weniger bekannt ist. Er ist fein, weich, leicht und fließender als eine klassische Popeline und lässt sich trotzdem sehr angenehm verarbeiten.
Ich ordne ihn gern zwischen Popeline und Baumwollsatin ein: Er fällt schön, hat eine weiche Oberfläche und einen leicht seidigen Look. Er eignet sich perfekt für Tops, Blusen, Kleider, Röcke, festliche Kleidung oder hübsche Kinderkleider.
Stellen Sie sich ein Sommerkleid aus einem kleinen geblümten Cotton Lawn vor? Ich schon!
Ein Tipp für die Nebensaison: Ich verwende ihn auch gern zum Füttern meiner Mäntel. So bleibt ein natürliches Material erhalten, und an den Ärmeln gleitet der Stoff ausreichend gut.

Eugénie von Atelier Bernie

Flo von La Maison Victor
Lochstickerei und bestickte Baumwollstoffe
Romantisch und modern – nein, die Lochstickerei ist nicht altmodisch und ganz sicher nicht nur braven Kragen oder dem Stil von „Unsere kleine Farm“ vorbehalten! Heute gibt es sie in leuchtenden Farben: Gelb, Mauve, Orange, Grün und sogar mit sehr modernen Mustern! Besonders gut gefallen mir bestickte Stoffe mit einer aufwendig gearbeiteten Borte. Man kann sie am Saum eines Ärmels, Rocks oder Kleides platzieren und erhält ein spektakuläres Finish, ohne dem Schnittmuster viele Details hinzufügen zu müssen. Dieses Material eignet sich perfekt für eine Bluse, ein Top oder ein sommerliches Kleid. Ich selbst habe mehrere davon in meinem Kleiderschrank, und sie bringen mir immer viele Komplimente ein.
Der perfekte Begleiter bei großer Hitze
Musselin ist nicht ausschließlich ein Stoff für Babys! Er besteht aus zwei sehr feinen Gazeschichten, die miteinander verbunden sind. Dadurch erhält er seine leicht gekräuselte Optik und seinen unglaublichen Tragekomfort.
Für Kleider, Blusen, Nachtwäsche oder Urlaubsoutfits ist er wirklich einer meiner Lieblingsstoffe.
Bei 35 oder 40 °C hat man fast das Gefühl, gar nichts zu tragen: Die Luft zirkuliert und das Kleidungsstück liegt leicht auf der Haut.
Sie ist etwas lebhafter als Popeline, bleibt aber nach ein paar ersten Projekten durchaus gut zu verarbeiten. Wenn Sie Lust haben, sich daran zu wagen, finden Sie hier auch all meine Tipps und Tricks zum Nähen von Musselin.
Leanne von Fibremood
Leicht, mit gekräuselter Oberfläche und bügelfrei – Seersucker ist an seiner reliefartigen Struktur zu erkennen, die durch unterschiedliche Spannungen beim Weben entsteht. Seine Optik kann stark variieren: uni, gestreift, Vichy-Karo, kleine Karos oder eine ausgeprägtere Struktur.
Seine Struktur hält einen Teil des Stoffes leicht von der Haut fern, wodurch er sich bei warmem Wetter besonders angenehm trägt. Er eignet sich hervorragend für Blusen, Kleider, Röcke, leichte Hemden und Nachtwäsche. Da der Knittereffekt zu seinem Charme gehört, muss er in der Regel nur sehr wenig gebügelt werden.
Allein deshalb verdient es einen Platz in unserem Sommergepäck!
Atmungsaktiv, temperaturregulierend und viel moderner, als man denkt! Leinen hat manchmal einen schlechten Ruf: „Ja, aber Eugénie, Leinen knittert!“ Das stimmt – Naturmaterialien knittern im Allgemeinen stärker als Polyester. Dafür sind sie deutlich atmungsaktiver und bei steigenden Temperaturen wesentlich angenehmer zu tragen.
Leinen ist atmungsaktiv, robust und temperaturregulierend. Außerdem wird es in Frankreich, Belgien und den Niederlanden in großem Umfang angebaut. Damit ist es eine besonders interessante Faser für unsere Sommergarderobe.
Geschmeidiger und unkompliziert im Alltag
Ich mag gewaschenes Leinen besonders gern. Seine Veredelung macht es geschmeidiger und sorgt für einen weicheren Knittereffekt, der den Charme des Stoffes ausmacht. Wenn du nicht gern bügelst, kannst du dein Kleidungsstück einfach aufhängen und diesen schönen lässigen Look bewusst tragen. Wenn du es lieber makellos magst, lässt sich Leinen natürlich sehr gut bügeln.
Leinenstoffe gibt es heute auch in kräftigen und leuchtenden Farben – weit entfernt vom Bild eines ausschließlich beigefarbenen oder etwas matten Leinens. Ein schönes Himbeerrot, ein intensives Grün oder ein tiefes Blau verleiht einem schlichten Kleidungsstück besonders viel Charakter. Dank seiner Formstabilität und Robustheit eignet sich Leinen für Shorts, Hosen, Jumpsuits, Kleider, Röcke und leichte Sommerjacken – für Erwachsene ebenso wie für Kinder.

Quilla von Fibremood
Der Charakter von Leinen mit mehr Fließfähigkeit Du magst Leinen, findest seinen Fall für dein Projekt aber etwas zu fest oder steif? Leinen-Viskose ist eine sehr schöne Alternative. Die Viskose sorgt für mehr Geschmeidigkeit und Bewegung, während der natürliche Look des Leinens erhalten bleibt. Dieser Stoff eignet sich hervorragend für ein langes Kleid, einen weit schwingenden Rock, eine Bluse oder eine fließende Sommerhose. Mit einem schönen Blumen- und Schmetterlingsmuster sehe ich schon das Kleid vor mir, das sich im Kreis dreht … Einfach wunderschön!
Viskose, Lyocell und Tencel™
Für wunderbar fließende Nähprojekte
Kommen wir nun zu den sehr fließenden Stoffen.
Ich empfehle sie eher ab einem fortgeschrittenen Niveau – nicht, weil die Nähte unbedingt kompliziert sind, sondern weil sich der Stoff beim Zuschneiden und unter der Nähmaschine bewegen kann.
Viskose und Lyocell sind sogenannte Chemiefasern: Sie werden aus pflanzlicher Zellulose hergestellt, die zu einem Textilgarn verarbeitet wird. Tencel ist eine Fasermarke, insbesondere für Lyocell. Diese Stoffe fühlen sich geschmeidig und weich an und sind sehr angenehm auf der Haut.
Ein wunderschöner Fall Tencel fällt wunderbar fließend und fühlt sich oft leicht samtig an. Er eignet sich hervorragend für einen Rock, eine Bluse, ein Kleid, eine weite Hose oder einen Jumpsuit. Wenn Sie von einem Jumpsuit träumen, der schön mitschwingt und wirklich stilvoll aussieht, ist dieses Material eine Überlegung wert. Nehmen Sie sich für den Zuschnitt einfach Zeit: Arbeiten Sie auf einer großen Fläche, lassen Sie den Stoff nicht herunterhängen und verwenden Sie viele Gewichte oder feine Stecknadeln.
Leicht und perfekt für schwingende Kleider: Viskose ist eine der Königinnen unter den Sommerkleidstoffen. Sie ist fließend, leicht und sehr angenehm zu tragen. Sie eignet sich auch hervorragend für Blusen, Röcke und weit geschnittene Hosen.
Für einen einfachen kleinen gerafften Rock reichen manchmal zwei Meter Viskose und ein schönes Lurex-Gummiband aus, und schon haben Sie an einem Nachmittag ein leichtes, bequemes und wirklich lohnendes Kleidungsstück genäht.
Die Herstellung von Viskose kann je nach den verwendeten Verfahren jedoch sehr unterschiedliche Auswirkungen haben. Wenn dieses Kriterium für Sie wichtig ist, suchen Sie nach Materialien, deren Herkunft und Herstellung besser nachvollziehbar sind, wie beispielsweise LENZING ECOVERO-Viskose. Und um sich stressfrei mit diesem Material vertraut zu machen, lade ich Sie ein, meinen Artikel über das Nähen von Viskose zu lesen.
Welchen Sommerstoff sollten Sie je nach Projekt wählen?
Wenn Sie angesichts all dieser Möglichkeiten noch zögern, finden Sie hier meine kleine Zusammenfassung:
Sie beginnen gerade erst: Starten Sie mit einer Baumwollpopeline oder einem ausreichend formstabilen Leinenstoff.
Sie möchten ein sehr leichtes Kleidungsstück für die Hitzewelle: Wählen Sie Musselin, einen Baumwollbatist oder Seersucker.
Ihr träumt von einem fließenden Kleid? Dann greift zu Leinen-Viskose, Viskose, Lyocell oder Tencel.
Ihr sucht eine schicke Optik? Baumwollsatin oder Cotton Lawn sind perfekt.
Ihr möchtet eine langlebige Shorts oder Hose nähen? Dann bevorzugt Leinen oder eine robustere Baumwolle gegenüber einer feinen Popeline.
Ihr hasst Bügeln wirklich? Dann greift zu Seersucker, Musselin oder der schönen Knitteroptik von gewaschenem Leinen.
Und wenn ihr lernen möchtet, Stoffe zu erkennen?
Die Welt der Textilien ist riesig, und nichts ersetzt es, Materialien anzufassen, ihren Fall zu vergleichen und ihre Webart zu verstehen. Genau das machen wir während des Kurses „Ich entdecke Stoffe“.
Marie-Hélène teilt ihr Wissen mit enorm viel Leidenschaft und hilft euch, Fasern, Spinnen, Weben, Färben und die verschiedenen Ausrüstungen besser zu verstehen.
Der Kurs findet in einer einzigen Sitzung statt, was sehr praktisch ist, wenn ihr etwas weiter von Brüssel entfernt wohnt.
Jetzt seid ihr an der Reihe, eure Sommergarderobe zusammenzustellen!
Ihr habt es verstanden: Meine Sommergarderobe basiert vor allem auf drei großen Familien: Baumwolle, Leinen und fließenden zellulosischen Materialien wie Viskose oder Lyocell.
Jedes Material hat seine Vorteile, und die richtige Wahl hängt immer vom Schnittmuster, vom gewünschten Fall, eurem Nähniveau und natürlich eurem Geschmack ab. Unsere Stoffauswahl findet ihr online oder ihr könnt in unseren beiden Mercerie-Ateliers in Brüssel, in Ixelles und Woluwe-Saint-Lambert vorbeikommen, die Stoffe anfassen und vergleichen. Wir versenden unsere schönen Materialien auch in ganz Europa.
Und ihr, welches Material tragt ihr bei warmem Wetter am liebsten?
Schreibt es mir hier in den Kommentaren oder in den sozialen Medien und sagt mir auch, ob ihr euch mehr Artikel oder Videos über Stoffe, Schnittmuster und Materialien wünscht. JIch freue mich darauf, von euch zu lesen!
Viel Freude beim sommerlichen Nähen euch allen.
An die Nadeln!









