Welchen Stoff sollte man wählen, wenn man mit dem Nähen beginnt?

Wenn man mit dem Nähen beginnt, konzentriert man sich oft auf die Wahl des Materials und wenig auf die Wahl des Stoffs für seine Projekte.

Dabei ist die Wahl des Stoffs entscheidend, um erfolgreich zu sein und stolz auf seine ersten Projekte zu sein. Tatsächlich ist es oft dieser Stolz und die Freude, etwas Nützliches und Schönes geschaffen zu haben, die uns dazu motivieren, das Nähen weiter zu lernen.

Es ist zwar verlockend, als einziges Auswahlkriterium einen Stoff zu nehmen, der uns optisch gefällt, aber… wird er für unser Projekt, unseren Schnittmuster-Typ und unser Niveau geeignet sein...? Ja… das sind Fragen, die man sich stellen sollte, bevor man seinen Stoff auswählt.

Welche Auswahlkriterien gibt es?
Das erste Kriterium bei der Auswahl Ihres Stoffs ist die Art des Projekts.

Der Schnittmuster-Ersteller musste zunächst den Stofftyp angeben: 

  • Kette und Schuss (gewebt) wie Popeline, denim, … 
  • Maschenware (gestrickt) wie Jersey… 
  • Vlies (nicht gewebt) wie Filz, Einlage…  

Dann gibt der Schnittmuster-Ersteller die Stoffart an, oft basierend auf Gewicht oder natürlichem Fall. Das ist wichtig für das Endergebnis Ihres Projekts.

Das zweite Kriterium ist Ihr Nähniveau.

Es ist besser, mit sogenannten „einfach zu nähenden“ Stoffen zu beginnen, wenn man anfängt. Man vermeidet Maschenware, die sich rollt, gleitende Gewebe, sehr dünne Stoffe wie Musselin… auch wenn sie für das Projekt geeignet sind, das Sie nähen möchten… in solchen Fällen empfehle ich, sich zuerst an einfacheren Projekten zu üben, bevor man sich an komplexere Projekte wagt. 

Das dritte Kriterium ist das Muster des Stoffs.

Als Nähanfänger ist es einfacher, einen Stoff zu wählen, bei dem keine Musteranpassungen nötig sind. Man vermeidet daher Karos und Streifen, die eher für erfahrene Näher gedacht sind, und greift zu Stoffen mit kleinen, sich wiederholenden Mustern wie Blumenmustern, Pünktchen, Asanoha… oder stark gemusterte Stoffe wie traditionelle japanische Stoffe, die keine Anpassungen erfordern. Das uni ist natürlich auch eine Option ;-)

Schauen wir uns gemeinsam die „einfach zu nähenden“ Stoffe an

Für die ersten Nähprojekte sind gewebte Stoffe aus Naturfasern (Baumwolle, Leinen, Hanf…) leichter zu nähen. Tatsächlich ist dieser Stofftyp: 

  • beim Nähen recht stabil (rutscht nicht) 
  • hält wiederholte Handhabungen aus (dehnt sich nicht…) 
  • ist widerstandsfähig gegen Auftrennen und erneutes Nähen von Nähten 
  • geeignet für viele Nähprojekte, sei es Bekleidung oder Accessoires 
  • atmungsaktiv und angenehm zu tragen.

Baumwollstoffe und Popeline mit dichtem Gewebe sind perfekt für Nähanfänger. Sie sind wenig dehnbar und behalten auch nach dem Nähen und Auftrennen eine ausgezeichnete Form. Du findest eine schöne Auswahl dieser Stoffe in meinem Shop, denn Baumwolle (und Naturfasern allgemein) ist mein Lieblingsmaterial ;-) 

Mischungen aus Leinen-Baumwolle, die oft etwas schwerer sind, sind ebenfalls bei Anfängern sehr beliebt. Ich habe hier eine schöne Auswahl zusammengestellt. Baumwoll-Leinen-Mischungen sind auch sehr angenehm zu verarbeiten und eignen sich für viele Projekte wie Röcke, Kleider, Kinder- und Erwachsenenhosen... aber auch Accessoires. 

Man sollte sie vor dem Nähen waschen, da Naturfasern dazu neigen, sich beim ersten Waschen (oder eher beim ersten Trocknen) zusammenzuziehen; du kannst meinen Artikel dazu hier lesen.

Hier sind die sogenannten „schwer zu nähenden“ Stoffe, die man als Nähanfänger besser vermeiden sollte 

Alle gleitenden Stoffe wie Satin, Seide, Viskose, glänzende Polyester… Das Zuschneiden ist schon eine echte Herausforderung für Anfänger, da sie beim Schneiden rutschen und sich bewegen.  

Alle dünnen Stoffe wie Musselin, Voile, die spezielle Nadeln und viel Zeit zum Heften der Nähte erfordern.  

Alle dicken Stoffe und Pelzstoffe, die oft eine Doppeltransportmaschine benötigen, um die Stofflagen zu bewältigen.

Und nachdem ich mich an Baumwollstoffen geübt habe, worauf kann ich mich als Nächstes konzentrieren? 

Nachdem du dich geübt hast, kannst du andere Stoffe verwenden, um dein Können weiterzuentwickeln, wie zum Beispiel: 

Zu diesem Thema empfehle ich dir das Buch „Praktischer Stoff-Guide“ von Rebecca Deraeck, das sehr hilfreich ist, um Stoffe besser zu verstehen. 

Und warum nicht mit dem Nähen von Maschenware für T-Shirts und Sweatshirts beginnen? Auch hier empfehle ich dir die Lektüre meiner „Bibel“ zum Nähen dieses Materials: „Stretch nähen“ von Marie Poisson.

Dann heißt es nur noch: Anfangen! Viel Spaß beim Nähen!

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